
Sørkedalsveien 6, Oslo
Norwegens erste zirkuläre Bürosanierung im geschlossenen Kreislauf
- ArchitektLund+Slaatto Architects
- Jahr2026
- HerstellerSTATICUS
- StadtOslo
- LandNorway
WICONA ermöglicht Norwegens erste Aluminiumfassade im geschlossenen Kreislauf für die Sanierung eines markanten Bürogebäudes
Eines der markantesten Gewerbegebäude Oslos wird derzeit einer wegweisenden zirkulären Sanierung unterzogen. Das Projekt wird Norwegens erste Bürosanierung sein, bei der eine Aluminiumfassadenstrategie nach dem Prinzip des geschlossenen Materialkreislaufs umgesetzt wird. Im Rahmen der Zugehörigkeit zur Hydro-Gruppe ermöglicht WICONA die Rückgewinnung und das Recycling des ursprünglichen Fassadenaluminiums über Hydros zirkuläres Produktionsnetzwerk. Damit wird ein skalierbares Modell für das Recycling von Aluminiumsystemen demonstriert und die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft im norwegischen Gewerbeimmobiliensektor praktisch umgesetzt.
Im Rahmen seiner ambitionierten ESG-Strategie entschied sich der Eigentümer CapMan Real Estate gegen den Abriss und Neubau des ehemaligen KPMG-Bürogebäudes im Stadtteil Majorstuen und stattdessen für eine umfassende Sanierung des 21.000 m² großen Gebäudes, das heute den Namen Sørkedalsveien 6 trägt.
Die Planung und Gestaltung des gesamten Projekts orientieren sich an der EU-Taxonomie (7.2) sowie den Standards BREEAM-NOR Bespoke Excellent und verfolgen einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz für das gesamte Gebäude. Dabei bleibt die im Bauwerk gebundene CO₂-Menge erhalten, während gleichzeitig die Betriebseffizienz deutlich verbessert wird.
Das Gebäude wird künftig die Energieeffizienzklasse A erreichen und sich damit von der bisherigen Klasse E verbessern. Gleichzeitig wird der geschätzte Energiebedarf von 209 kWh/m² auf etwa 90 kWh/m² reduziert – eine Verringerung um 57 %.
Kooperativer Ansatz für zirkuläres Bauen
Die architektonische Weiterentwicklung wird von Lund+Slaatto Architects geleitet, die Sørkedalsveien 6 ursprünglich im Jahr 2001 entworfen haben. Um die Ziele des Projekts im Bereich des zirkulären Bauens umzusetzen, war eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich. Dabei wurden der Generalunternehmer Insenti, der Fassadenbauer STATICUS, der Rückgewinnungsspezialist Stena Recycling, der Aluminiumsystemanbieter WICONA sowie der globale Aluminiumproduzent Hydro zusammengebracht.
Neben der Herstellung von CO₂-reduziertem Aluminium stellt Hydro das industrielle Recycling- und Produktionsnetzwerk bereit, das es ermöglicht, Aluminium am Ende seiner Nutzungsdauer zurückzugewinnen und wieder einer wertschöpfenden Nutzung zuzuführen.
Neudenken der Fassade
Ein zentraler Bestandteil dieser Sanierung ist der Austausch der ursprünglichen vorgehängten Aluminiumfassade des Gebäudes, die aus 50-mm-Trennprofilen und einer Zweifachverglasung bestand. Die Zustandsanalyse zeigte, dass sowohl die Luftdichtheit als auch die Dämmleistung deutlich beeinträchtigt waren.
Neue Maßstäbe für nachhaltiges Bauen in den vergangenen Jahrzehnten haben Umweltverantwortung, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz die Art und Weise, wie wir Gebäude entwerfen, grundlegend verändert. Bei Sørkedalsveien 6 war es unser Ziel, veraltete Fassadensysteme durch eine Lösung zu ersetzen, die modernen Anforderungen entspricht und gleichzeitig wirtschaftlich effizient bleibt. Nach der Prüfung von Holz-Hybrid-Konzepten entschieden wir uns letztlich für Aluminium mit einem Recyclinganteil von mehr als 75 %. Aufgrund seiner hohen Recyclingfähigkeit weist dieses Material einen geringeren CO₂-Fußabdruck auf als vergleichbare Lösungen auf Holzbasis.
Zirkuläres Bauen durch Zusammenarbeit Bereits in der frühen Planungsphase arbeitete WICONA eng mit allen wichtigen Projektbeteiligten zusammen, um einen strukturierten Ansatz für die Rückgewinnung des vorhandenen Aluminiums und dessen Wiedereingliederung in Hydros zirkuläre Wertschöpfungskette zu entwickeln und umzusetzen.
Das Ergebnis ist ein praxisnaher Nachweis für zirkuläres Bauen im Maßstab eines gesamten Gebäudes. Das Projekt zeigt, wie wertvolle Materialien durch eine koordinierte Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Branche langfristig im Nutzungskreislauf gehalten werden können.
Schließen des Aluminiumkreislaufs
Statt als Bauschutt entsorgt zu werden, wurde die bestehende Fassade sorgfältig demontiert und vor Ort sortiert. Anschließend wurde das Material zur weiteren Aufbereitung zu Stena Recycling nach Halmstad (Schweden) transportiert und danach an Hydros Recyclinganlage in Sjunnen (Schweden) zurückgeführt. Dort wird das geeignete Aluminium eingeschmolzen, um Hydro CIRCAL herzustellen – eine Aluminiumlegierungsreihe mit einem Recyclinganteil von mindestens 75 %.
Das Recycling von Aluminium benötigt bis zu 95 % weniger Energie als die Herstellung von Primäraluminium und reduziert dadurch die gebundenen CO₂-Emissionen erheblich. Insgesamt konnten rund 50 Tonnen Aluminium zurückgewonnen werden.
„Eine enge und strukturierte Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist entscheidend, um zirkuläre Materialströme in der Bauindustrie zu ermöglichen“, sagt Torfinn Bjørnbakk, Business Development Manager Scandinavia bei WICONA. „Durch die Verbindung von Hydros fortschrittlicher Recyclinginfrastruktur mit der Systemtechnologie von WICONA sowie durch die gemeinsam mit lokalen Partnern entwickelten effizienten Sammel- und Sortierprozesse kann Aluminium aus bestehenden Gebäudefassaden mit vollständiger Rückverfolgbarkeit und ohne Qualitätsverlust wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden. Dies ermöglicht ein echtes Closed-Loop-System und reduziert die CO₂-Intensität neuer Fassadenlösungen deutlich.“
Neue leistungsstarke Fassade
Die neue Fassade besteht aus einem maßgeschneiderten WICONA Elementfassadensystem mit recycelbaren Produkten aus wiederverwerteten Komponenten. Sie wird aus Hydro CIRCAL 75R Aluminium gefertigt und in einem bronzefarbenen Farbton anodisiert. Planung, Fertigung und Montage der Fassade erfolgen durch STATICUS.„Sørkedalsveien 6 zeigt, wie anspruchsvolle Nachhaltigkeitsziele in der Praxis umgesetzt werden können. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen STATICUS und WICONA haben wir eine neue Fassade entwickelt und realisiert, die in die bestehende Tragstruktur eines 18-geschossigen Gebäudes integriert wurde“, sagt Mantė Laučytė, Projektmanagerin bei STATICUS.
Ein Modell für zirkuläre Immobilienentwicklung
Das Projekt wurde als Pilotprojekt im Rahmen des Nordic Circularity Piloting Program ausgewählt und würdigt damit sein Potenzial, skalierbare Praktiken des zirkulären Bauens zu demonstrieren. Das Gebäude wurde als „Materialbank“ konzipiert und legt den Schwerpunkt auf Wiederverwendung, Ressourceneffizienz und langfristige Nachhaltigkeit. Nach der Fertigstellung Ende 2027 wird Sørkedalsveien 6 der neue globale Hauptsitz von Visma werden und eine hochwertige Arbeitsumgebung bieten, die im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen des Unternehmens steht.
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