
ELS60
Energetische Fassadensanierung mit projektspezifischem Sanierungsflügel
- Jahr2026
- StadtFrankfurt am Main
- LandDeutschland
Nachhaltig modernisieren – im laufenden Betrieb
An der Eschersheimer Landstraße 60-62 in Frankfurt wurde die Fassade eines elfgeschossigen Bürogebäudes im laufenden Betrieb saniert. Zum Einsatz kam dabei ein von WICONA und Bonik Sustainable Facade (BSF) projektspezifisch zugeschnittener Sanierungsflügel, der Energieeffizienz und Gestaltung verbindet und darüber hinaus dank einer geschlossenen Aluminium-Kreislaufwirtschaft besonders nachhaltig ist.
Zukunftsfähigkeit des Standorts sichern
Das in den 1960er Jahren errichtete Hochhaus „ELS60“ liegt an einer der meistbefahrenen Verkehrsachsen im Frankfurter Zentrum und beherbergt sowohl Büroflächen als auch einen Lebensmittelmarkt im Erdgeschoss. Um die Attraktivität und die Zukunftsfähigkeit des Standorts zu sichern, entschied sich der Bauherr, die Ali Selmi Grundstücksgesellschaft, zur Sanierung der in die Jahre gekommenen Fassade. Dazu erklärt Architekt Jakob Meves, Vertreter des Bauherrn: „Wir wollten keine lange Phase des Leerstands, sondern eine Lösung, die die Fassade technisch auf den heutigen Stand bringt, Energiekosten senkt, Ressourcen schont und das Gebäude gleichzeitig auch gestalterisch stärkt – und das, ohne den laufenden Bürobetrieb zu unterbrechen.“ So wurde Bonik Sustainable Facade (BSF) als Generalübernehmer mit der Planung und Realisierung der gesamten Sanierungsmaßnahme inklusive der Koordination aller Fachplaner und Gewerke beauftragt.
Gezielte Revitalisierung statt kompletter Fassadentausch
Die Bestandsfenster des Gebäudes wiesen zahlreiche Schäden wie zum Beispiel verhärtete und undichte Dichtungen auf – dies verursachte Energieverluste, minderte den Schallschutz und sorgte für punktuelle Einregnungen. Da auch ein wirksamer Sonnenschutz fehlte, überhitzten die Innenräume im Sommer. Statt eines kompletten Fassadentauschs – dieser wäre kostenintensiv und mit rund acht Monaten zusätzlicher Bauzeit sowie Mietausfällen und Ausweichanmietungen verbunden gewesen – fiel die Entscheidung auf eine selektive Revitalisierung der Fenster. Bei einer ausführlichen Bestandsaufnahme mit Bauteilöffnung wurden alle verbauten Systeme und Serien, Aufhängungen und statischen Konzepte detailliert erfasst und die bestehenden Fenster und Rahmenkonstruktionen sowie die Dämmung umfassend geprüft. Dabei wurde festgestellt, dass in den opaken Bereichen bereits eine zweilagige Mineralfaserdämmung vorhanden war so konnte für die folgende Sanierungsplanung ein besserer U-Wert als angenommen angesetzt werden.
Mit „minimalinvasivem“ Eingriff zu hervorragender energetischer Performance
Aufbauend auf der Bestandsaufnahme und den Anforderungen des Bauherrn entwickelte BSF gemeinsam mit WICONA einen projektspezifischen Sanierungsflügel auf Basis des Systems WICLINE 60. Die Idee dabei war, dass die bestehende und noch in vollem Umfang tragfähige Rahmenkonstruktion im Gebäude verbleibt. Ausgetauscht wurden lediglich die Fensterflügel – ausgestattet mit genau auf den Rahmen abgestimmten Beschlägen, Dichtungen sowie einer energieeffizienten Dreifachverglasung. Ergänzt wurde das Konzept durch einen außenliegenden Sonnenschutz mit ZIP-Markisen inklusive Steuerung. Dadurch sinkt der U-Wert von ≥ 1,7 auf ≤ 1,1 W/m²K und der Heizenergieverlust reduziert sich um etwa 35 %. Außerdem wird der Innenlärm um rund 5 % und der sommerliche Energieeintrag durch die Verschattung um etwa 87 % gesenkt. Dazu erläutert Planer Christian Bonik von BSF: „Mit minimalinvasiven Eingriffen haben wir nahezu den Effekt einer neuen Fassade erreicht – ohne Abriss, ohne lange Ausfallzeiten und mit klarer Perspektive für die nächsten Jahrzehnte“.
Eingriffe im Takt: Logistik bei laufendem Betrieb
Um den laufenden Bürobetrieb während der Arbeiten nicht zu stören, entwickelte BSF gemeinsam mit Heidersberger Fassadenbau ein ausgeklügeltes Logistik-Konzept. Da aufgrund der beengten Platzverhältnisse in der Innenstadtlage das Platzieren von Lagerflächen und größeren Baustelleneinrichtungen nicht möglich war, wurden die neuen Fensterflügel vorverglast „just-in-time“ angeliefert, per Aufzug in die Geschosse transportiert und nach einem mit den Nutzern abgestimmten Ablaufplan büroweise ausgetauscht. „Wir haben Rückbau und Einbau so organisiert, dass die Mietflächen möglichst kurz betroffen waren. Die Vorfertigung der Flügel sicherte einen zügigen Tausch – sauber, leise und schnell“, erklärt Udo Wüller, Geschäftsführer bei Heidersberger Fassadenbau.
Echte Kreislaufwirtschaft mit Aluminium
Neben der Wirtschaftlichkeit und der Umsetzung im laufenden Betrieb überzeugt das Projekt durch einen konsequent nachhaltigen Ansatz. Anforderung des Bauherrn war es, die vorhandene Bausubstanz bestmöglich zu nutzen und somit „graue Energie“ zu erhalten und Ressourcen zu schonen. So wurden die Bestandsfenster nach dem Ausbau direkt vor Ort zerlegt und sortenrein in die End-of-Life-Materialien Aluminium, Glas und Dichtungen getrennt. Das End-of-Life-Aluminium wurde im Hydro Werk in Dormagen recycelt – und letztendlich entstanden wieder neue Profile der nachhaltigen Legierung Hydro CIRCAL. Die beim Projekt verwendeten und von Heidersberger gefertigten WICONA Sanierungsfenster bestehen aus mindestens 75 % Post-Consumer-Anteil und verfügen über einen sehr geringen CO2-Fußabdruck von nur 1,9 Kilogramm CO₂ je Kilogramm Aluminium.
Technik, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit optimal vereint
Das Projekt „ELS60“ zeigt eindrucksvoll, wie sanierungsbedürftige Bestandsgebäude mit präziser Analyse, objektspezifischen Sanierungsflügeln und echter Kreislaufwirtschaft technisch, wirtschaftlich und nachhaltig auf den aktuellen Stand gebracht werden. Der Bauherr spart Investitions- und Mietausfallkosten, die Nutzer profitieren von gestiegenem Komfort und das Stadtbild erfährt eine sichtbare Aufwertung.
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