2020-07-21

Die Corona-Pandemie verändert die Welt und unser Leben gerade dramatisch. Doch welchen langfristigen Einfluss hat die globale Krise auf die Stadtplanung und die Gebäude der Zukunft? Über bereits aktuell erkennbare Trends sowie Szenarien für die Arbeits- und Wohntrends von morgen diskutierten der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx und eine hochkarätige Expertenrunde am 2. Juli 2020 beim NEXT Summit im NEXT Studio by Wicona + Partner in Frankfurt – übertragen wurde das Event als Livestream.

 

Impulsvortrag von renommiertem Zukunftsforscher

Bei der hochspannenden Diskussion ging es vor allem darum, das komplexe Thema aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten. Dabei wurde Matthias Horx live aus seinem „Future Evolution Haus“ in Wien zugeschaltet. Im NEXT Studio dabei waren Dr.-Ing. Jan Wurm (Director Foresight + Research + Innovation Arup), Projektentwickler und Immobilien-Spezialist Markus Rink (Geschäftsführer omniCon Gesellschaft für innovatives Bauen), Dr. Christine Lemaitre (Geschäftsführerin DGNB) sowie Dr. Thomas Welter in seiner Funktion als Bundesgeschäftsführer BDA. Als „Aufschlag“ der von Martin Prösler (Prösler Kommunikation) moderierten Runde erwartete die Zuhörer ein prägnanter Impulsvortrag von Matthias Horx.

 

„Schockerfahrungen“ der Corona-Krise und vier globale Megatrends

Der Trendforscher sieht Corona als eine Art „Zeitenwende“. Die Schockerfahrungen der Krise eröffnen jedoch Räume für neues Denken, stoßen den Wertewandel in der Gesellschaft an und zwingen zur Neubetrachtung und zum Wandel, so Matthias Horx. So würden Entwicklungen, die vorher schon da waren, noch mehr beschleunigt – auch in der Stadtplanung und Architektur. Grundsätzlich sieht er vier „Megatrends“: Die „Glocalisierung“ bedeute das Scheitern der nicht nachhaltigen globalen Produktion und der „Werkbank Fernost“. Die Produktion werde teils wieder zurückgeholt, die Wertschöpfungsketten würden wieder tiefer und „lokaler“. In puncto „Digitalisierung“ stellt der Experte fest: „Je mehr man ins Digitale geht, desto mehr fehlt die menschliche Kommunikation.“ Daher werde die Künstliche Intelligenz (KI) humanes Denken niemals ganz ersetzen. Auch die „Rurbanisierung“ werde ein gewichtiger Megatrend und bilde den Gegenpol zur Urbanisierung. Dabei werden immer offenere Stadtarchitekturen mit dezentralen Quartieren die verdichteten Innenstädte ersetzen und ein neues urbanes Leben entstehen lassen. Der vierte Punkt: Die „blaue Ökologie“. Diese verknüpft das Digitale und Ökologische mit intelligenten Technologien und mensch-lichen Bedürfnissen. Dazu gehören Konzepte wie die lebendige Stadt sowie neue Wohn- und Lebensformen wie Co-Housing, Co-Living oder auch das Co-Working. Matthias Horx: „Reine Büroflächen werden geringer, eine neue Büroarchitektur kommt. Arbeit wird völlig neu gesehen und erlebt – es wird keine Rückkehr in die alte Rennerei mehr geben.“

 

Neues Arbeiten braucht attraktive Arbeitsplätze

Gerade um das „neue Arbeiten“ und damit verbunden – das Bürogebäude der Zukunft – entwickelte sich eine interessante Diskussion. Dr.-Ing. Jan Wurm stellte die Wichtigkeit des Büros als Ort der Gemeinschaft und der persönlichen Interaktion heraus, sieht aber auch den in der Corona-Zeit verstärkten Trend zu mehr Homeoffice-Zeiten. Dr. Thomas Welter unterstrich die Funktion des Büros, Privat- und Berufsleben voneinander abzugrenzen. Bei der Gestaltung der Büroflächen müsse vor allem Komfort und Attraktivität im Fokus stehen – diese förderten Kreativität und Motivation. Auch für Dr. Christine Lemaitre stellt der persönliche Dialog ein wichtiges Plus des Büros dar. Nur hier sei für viele – das zeigten ihre eigenen Homeoffice-Erfahrungen mit den Kindern während des „Lockdowns“ – konzen-triertes Arbeiten möglich. Markus Rink ergänzte: „Büros entwickeln sich immer mehr zu Bereichen mit hoher Aufenthaltsqualität. Das war aber auch schon vor Corona so und wird sich eventuell jetzt noch beschleunigen.“

 

Urbane Räume: Umnutzung statt Neubau

In puncto Stadtplanung der Zukunft waren sich die Experten einig – der Fokus sollte sich nicht ausschließlich auf den Neubau, sondern mehr auf den Gebäudebestand richten. Dr. Christine Lemaitre: „Unsere Städte sind gebaut, wir müssen Bestandsgebäude intelligent modernisieren, umnutzen und die Identifikation der Menschen mit ihrem Quartier und ihrer Stadt erhöhen.“ Dr. Thomas Welter: „Wir brauchen eine kluge Verdichtung, die adäquat ist, müssen die Umnutzung leerstehender Gebäude vorantreiben und halb öffentliche Räume zum Ausruhen schaffen.“ Grundsätzlich gelte es aber auch, die Trends der Vor-Corona-Zeit positiv weiter voranzutreiben. Dazu gehörten insbesondere ressourcensparendes Bauen und Nachhaltigkeit. Um all dies zu erreichen, sei vor allem auch die Kommunal-Politik vor Ort ein wichtiger Faktor.

 

Kampf gegen den Klimawandel nimmt wieder Fahrt auf

Zum Ende fragte Moderator Marin Prösler provokativ: Ist die zentrale Corona-Botschaft „Flatten the Curve“ – dieser seien mehr als 80 Millionen Deutsche von heute auf morgen gefolgt – auch auf die Bestrebungen zur Verlangsamung des Klimawandels anwendbar? Dr. Christine Lemaitre bezweifelt dies: „Der Klimawandel ist zu abstrakt. Gegen die Corona-Maßnahmen gab es keine Lobby. Beim Klimawandel stehen Lobbyisten im Weg.“ Ähnlich sieht das Markus Rink: „Nur eine unmittelbare persönliche Betroffenheit bringt eine Verhaltensänderung. Der Klimawandel ist noch zu weit weg.“ Matthias Horx ist sich jedoch sicher: „Das Thema Klimawandel wird wieder enorm Fahrt aufnehmen. Viele Unternehmen bekennen sich jetzt aktiv zur Nachhaltigkeit, nicht nur aus Marketing-Gründen (Green-Washing)“. Dies bekräftigt auch Dr. Jan Wurm: „Wir sehen einen starken Wunsch der Kunden, bessere und nachhaltigere Gebäude zu bauen.“

 

Kompletten NEXT Summit auf dem NEXT YouTube-Kanal ansehen

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist unter https://www.youtube.com/watch?v=Ejq7wf-k1oI bzw. über den Kanal des NEXT Studio by Wicona & Partners auf YouTube abrufbar. Weitere Informationen zum NEXT Studio und den nächsten Veranstaltungen nach der Sommerpause finden sich immer aktuell auf www.next-studio.de oder auf LinkedIn.

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